Zahnrettungsbox

von Dr. Björn Schaper

Winter ade – Skateboard olé. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen steigen Kinder und Jugendliche wieder verstärkt auf Skateboards, Fahrräder, Rollerblades oder Kickboards. Ein blutendes Knie wird dabei auch mal tapfer in Kauf genommen. Kompliziert wird es, wenn nach Stürzen die Zähne betroffen sind und stückweise oder sogar ganz ausgeschlagen wurden. Bis zu einem Drittel aller Kinder und Jugendlichen erleiden heute einen Zahnunfall noch vor dem 16. Lebensjahr. Was viele Menschen nicht wissen: Ausgeschlagene Zähne können wieder einwachsen.

Voraussetzung: Die Unfallopfer suchen schnellstmöglich eine Zahnarztpraxis auf. Dabei kommt es auf eine optimale Lagerung des herausgeschlagenen Zahnes in einer Zahnrettungsbox an.

Zähne optimal lagern

„Gerade Schulen, Kindergärten und Sportvereine sollte eine Zahnrettungsbox vorrätig haben, um bei einem Unfall Zähne zu retten“, fordert Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente e.V. Die Zahnrettungsbox enthält ein spezielles Zellnährmedium, wie es ähnlich auch beim Organtransport eingesetzt wird. Wird der ausgeschlagene Zahn schnell in einer Box gelagert, bleiben spezielle Zellen in der Wurzelhaut der Zähne am Leben. Die Zellen helfen, dass die Zähne sich wieder anheften und nach der Einheilung wie vorher funktionieren.

Bei Zimmertemperatur bleiben diese Zellen in einer Zahnrettungsbox mindestens 1 bis 2 Tage am Leben. Die Box eignet sich auch, um abgeschlagene Zahnbruchstücke zum Zahnarzt zu transportieren. Dieser kann sie mit Spezialkunststoff wieder ankleben.

Besser nicht säubern

Hat man den Zahn gefunden, nicht an der  Wurzel anfassen und nicht desinfizieren. Der Zahn muss feucht und steril zum Zahnarzt transportiert werden. Ohne Zahnrettungsbox hilft eine Kunststofffolie oder sogar H-Milch beim Transport. Absolut ungeeignet sind dagegen Wasser oder ein trockenes Tuch.

 

Zahnrettungsbox

Milchzähne nicht vernachlässigen

Das Milchgebiss ist zwar nicht fürs ganze Leben gedacht, hat aber eine wichtige Funktion. Es macht es einen großen Unterschied, ob die Milchzähne normal ausgefallen oder bei einem Unfall verloren gegangen sind. „Ein Milchzahn fällt aus, wenn es Zeit dafür ist: nämlich wenn der bleibende Zahn schon fast aus dem Zahnfleisch herausgewachsen ist“, erläutert Joachim Hoffmann von der Initiative proDente. Vorher ist jeder gesunde Milchzahn ein wichtiger Platzhalter für sein bleibendes Pendant.

Wird er vorzeitig ausgeschlagen, etwa durch einen Sturz, entsteht frühzeitig eine Lücke. Es besteht die Gefahr, dass sich Nachbarzähne in die Lücke schieben, die später mit einer Klammer wieder an die richtige Stelle gerückt werden müssen. Werden Milchzähne verschoben oder in den Kiefer gedrückt, muss der Zahnarzt schnell handeln und sie wieder an ihren Platz setzen. Sonst besteht große Gefahr für die nächsten Zähne – auch wenn die noch gar nicht durchgebrochen sind und noch im Kiefer liegen.
 
Mundschutz zur Vorbeugung

Auch bei größeren Kindern und Jugendlichen sind Zahnverletzungen nicht selten. „Besonders ungünstig ist es, wenn Zähne im Wachstum verloren gehen“, so Hoffmann. Denn dabei wird die natürliche Ausbildung des Gebisses gestört. Außerdem ist bis zum Ende des Wachstums keine endgültige Versorgung der Zahnlücken möglich. Die Jugendlichen müssen also immer wieder zur Behandlung und erhalten Provisorien, die an die jeweilige Situation angepasst werden.

Doch was kann man tun, um diese Prozedur zu vermeiden? „Man kann einen Unfall nicht ganz ausschließen – aber zumindest lassen sich die Risiken minimieren“, weiß Hoffmann. So kann beispielsweise beim Freizeitsport ein Mundschutz die Zähne effektiv vor Schäden bewahren. Die Kunststoffschiene wird individuell angepasst und über die Zähne geschoben. „Die Eltern achten ja auch darauf, dass ihr Kind beim Radfahren einen Helm trägt“, sagt Hoffmann. Wäre der Mundschutz bereits ähnlich selbstverständlich, ließen sich wohl viele Verletzungen und aufwändige Behandlungen vermeiden. Deshalb wünscht sich der Zahnarzt, „dass mehr Kinder und Jugendliche mit gutem Beispiel voran gehen und so vielleicht einen echten Trend setzen.“

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