Lippe-Aktuell vom 09.07.14

von Dr. Björn Schaper (Kommentare: 0)

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Det­mold-Hid­de­sen (ck). Ner­vö­ses rus­sisch­spra­chi­ges Stim­men­ge­wirr er­füllte kürz­lich an ei­nem Mitt­wochnach­mit­tag die Zahn­arzt­pra­xis von Dr. Björn Scha­per in Hid­de­sen. 19 rus­si­sche Kin­der im Al­ter von 8 bis 10 Jah­ren aus Mo­syr in Weißruss­land ka­men be­reits am 22. Juni zur Er­ho­lung nach Det­mold und er­hiel­ten ne­ben zahl­lo­sen Aus­flü­gen, ge­sun­der Ernährung, viel fri­scher Luft und Sport auch eine kos­ten­lose Zahn­un­ter­su­chung mit Be­hand­lung.

"­Mo­syr liegt etwa 80 Ki­lo­me­ter vom Tscher­no­byl-Re­ak­tor ent­fernt, die Aus­wir­kun­gen der Re­ak­tor­ka­ta­stro­phe von 1986 sind noch heute als ge­sund­heit­li­che Schä­den nach­weis­bar, da die Men­schen ü­ber die Nah­rungs­kette ver­seuchte Stoffe auf­neh­men", er­klärt Ste­fan Mühlen­bernd von der Ar­beits­gruppe der evan­ge­lisch-re­for­mier­ten Kir­che (Ver­söh­nungs­kir­che), die sich seit 1991 für diese Kin­der en­ga­giert. Größten­teils kom­men die Kin­der aus zerrüt­te­ten Ehen, ei­nem al­ko­hol-oder dro­genab­hän­gi­gen El­tern­haus oder aus Wai­sen­häu­sern. Viele ha­ben nur die Klei­dung, die sie am Kör­per tra­gen. Mit ei­nem fi­nan­zi­el­len Auf­wand von un­ge­fähr 13.000 Eu­ro, der sich ü­ber Spen­den fi­nan­ziert, er­mög­licht die Ar­beits­gruppe den Kin­dern eine herr­li­che Er­ho­lungs­zeit. "­Diese Zei­ten hier bei uns wir­ken Wun­der und sind me­di­zi­nisch nach­weis­bar", er­klärt Pe­tra Stö­rig von der Ar­beits­grup­pe. Sie war es auch, die nach ei­ner Zahn­be­hand­lung in der Pra­xis auf die vie­len Ein­mal­zahn­bürs­ten auf­merk­sam wurde und nach­frag­te, ob Dr. Scha­per ei­nige für die Kin­der spen­den möch­te. Zahn­bürs­ten gab und auch me­di­zi­ni­sche Hil­fe. "Wir sind in un­se­rer Ar­beit auf Spon­so­ren an­ge­wie­sen, da­mit wir die Kin­der mit dem Nötigs­ten aus­stat­ten kön­nen", er­klärt Stö­rig. "Ich ma­che das jetzt schon das siebte Mal hier an ei­nem Mitt­wochnach­mit­tag in mei­ner Pra­xis. Die letz­ten Male mit Un­ter­stüt­zung durch mei­nen Stu­dien­kol­le­gen Dr. Chris­tian Soy­ka. Er­staun­lich ist es zu se­hen, dass ich an den Zu­stän­den der Kin­der­ge­bisse deut­lich se­hen kann, wer aus der Stadt oder vom Dorf kommt. Die städ­ti­schen Kin­der ha­ben re­la­tiv gute Zäh­ne", so Scha­per, der ge­mein­sam mit sei­ner Kol­le­gin Zahnärz­tin Svet­lana Un­ruh den Kin­dern die größte Angst neh­men konnte und viele Zähne re­pa­rier­te.

Bis zum 5. Juli wa­ren die Kin­der ge­mein­sam in der Ju­gend­bil­dungs­stätte am Kup­fer­berg un­ter­ge­bracht, seit­dem le­ben sie in 13 hie­si­gen Fa­mi­li­en, die sie bis zu ih­rer Ab­fahrt am 17. Juli auf­ge­nom­men ha­ben.

Quelle: Lippe-Aktuell vom 09.07.2014 | Ausgabe-Nr. 28A

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